Hamburger Schulprojekt gewinnt Deutschen Lehrerpreis

Neue Wege beschreiten, Horizonte erweitern und Brücken bauen – wie es gelingen kann, Kinder und Jugendliche für geowissenschaftlichen Unterricht zu begeistern zeigt das Hamburger Schulprojekt „Geosystem Erde“. Das Leitprojekt überzeugte am Montagvormittag in Berlin die fachkundige Jury des Deutschen Lehrerpreises. Unter mehreren Tausend Bewerbern konnten sich Hans-Martin Gürtler von der Katholischen Schule Hammer Kirche und sein Team behaupten. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Hamburgs Schulsenator Ties Rabe, überreichte den Hamburgern den dritten Preis des bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerbs für innovative Schulprojekte.

Das von Gürtler initiierte und inzwischen auf vier weitere Stadtteilschulen und Gymnasien übertragene Konzept zeigt wegweisend für Deutschland auf, dass die Vermittlung von wesentlichen Inhalten und Methoden der Erkenntnisgewinnung nicht zwingend von der Schulart abhängig ist. „Lästige Schulstrukturdebatten werden durch praktisches Handeln und das Zusammenarbeiten vor Ort überwunden“, begründete die Jury ihre Entscheidung. Der Deutsche Lehrerpreis zeichnet jedes Jahr Top-Lehrkräfte und Top-Unterrichtsprojekte aus. „Wir tun dies, weil eindrucksvolle Vorbilder und Best-Practice-Beispiele eher geeignet sind, die Schulwirklichkeit positiv zu verändern als ständige Kritik“, so Heinz-Peter Meidinger, Bundesvorsitzender des Deutschen Philologen-Verbandes und Ausrichter des Wettbewerbs.

Das Leitprojekt „Geosystem Erde“ widmet sich thematisch vor allem der Vermittlung von nachhaltigem Denken, Lernen und Handeln. Unter dieser gemeinsamen Zielsetzung wurden an fünf Hamburger Schulen – der Katholischen Schule Hammer Kirche / Stadtteilschule Domschule St. Marien, dem Niels-Stensen-Gymnasium, der Sankt-Ansgar-Schule, dem Friedrich–Ebert-Gymnasium und der Stadtteilschule Lohbrügge – fünf Leitprojekte in den Jahrgangsstufen fünf bis 13 umgesetzt. Darin beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler unter anderem mit der Globalisierung des Handels, der Klimafrage oder auch den Problematiken der Mobilfunkindustrie. In jedem Leitprojekt arbeiten Schüler-Teams, die ihre Ergebnisse sowohl dem Projektteam als auch der eigenen Schule, den kooperierenden Schulen und anschließend der Öffentlichkeit vorstellen.

„Wir sind überaus glücklich über diese große Anerkennung unseres langjährigen Engagements. Dieser Preis gilt nicht nur unserem Lehrer-Team, sondern vor allem auch den vielen Schülerinnen und Schülern an unseren Schulen, die mit ihrer Freude und ihrer Leidenschaft gezeigt haben: Schule und Lernen können wirklich Spaß machen“, erklärt Hans-Martin Gürtler, Projektleiter „Geosystem Erde“ von der katholischen Schule Hammer Kirche. Seit mehr als 14 Jahren ist der 48-jährige mit großem persönlichem Einsatz dabei, innovative Konzepte zu entwickeln, um Kindern und Jugendlichen neue Perspektiven aufzuzeigen. Sein Klassenraum in der Katholischen Schule Hammer Kirche unterscheidet sich grundlegend von den Klassenräumen anderer Schulen. Vitrinen mit unterschiedlichen Gesteinsarten und Mineralien, gerahmte Bilder, Schülermikroskope und uralte Fossilien an den Wänden laden zum Forschen und Entdecken ein. Gürtler gelingt es dabei, fächerübergreifende Bezüge zu schaffen. Lars Holster, bildungspolitischer Sprecher der Hamburger SPD, ist seit Langem von dem Konzept überzeugt: „Nicht nur als Abgeordneter, sondern auch als Lehrer bin ich fasziniert von dem fächerübergreifenden Projekt und insbesondere von der Leidenschaft, mit der sich Hans-Martin Gürtler der Arbeit annimmt. Ich werde mich politisch und persönlich dafür einsetzen, dass dieses Projekt und die Arbeit von Hans-Martin Gürtler gefördert wird.“ Zustimmung erfährt Gürtler auch vom Hamburger Bundestagsabgeordneten Markus Weinberg: „Mit diesem Konzept zeigt Hans-Martin Gürtler exemplarisch, wie überfachliche Kompetenzen und Lernerfolge von Schülerinnen und Schülern jahrgangs- und schulübergreifend erworben werden können.“ Schuldezernent Wolfgang Schmitz vom Katholischen Schulverband Hamburg, dem Träger der drei beteiligten katholischen Schulen, sieht in dem Erfolg Gürtlers zugleich ein deutliches Zeichen für die Kompetenz und Innovationsfähigkeit freier Schulen in Hamburg. „Unsere Katholischen Schulen sind nicht nur eine besondere wertgebundene Alternative zu den staatlichen Schulen. Sie sind zugleich ein wichtiger Impulsgeber für diese Stadt“, so Schmitz. Die Vernetzung katholischer Schulen mit staatlichen Schulen sei Hans-Martin Gürtler überzeugend gelungen.

Der innovative Ansatz des Projektes „Geosystem Erde“ lässt sich auf Schulen im gesamten Bundesgebiet übertragen. Um Forschungsstand und Ergebnisse der Öffentlichkeit sowie Fachleuten im In- und Ausland zugänglich zu machen, richteten die Preisträger eine Projekt-Homepage ein (www.geosystem-erde.de). Diese soll Bildungsinstitutionen, Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern als Arbeitsplattform zum Austausch von Informationen und Daten dienen. Sie steht zudem Schulen offen, die noch nicht an einem der Leitprojekte beteiligt sind.

26. November 2012 Erzbistum Hamburg